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Wiederseh’n macht Freude


Gestern durften wir wieder rein, ins Frauengefängnis Langata, Nairobi. Zwei lange Jahre versuchte der vermaledeite Virus unsere Arbeit zu vereiteln. Nun aber können wir die Gesichter wieder in Natura sehen, ist halt schon was anderes als diese Social Media Verbindung.

Zusammen mit unserem Musiklehrer bin ich also wieder dieser vermeintlichen Anarchie begegnet. Und ja, die Gesichter zeigen Änderungen, mir scheint der Alterungsprozess ist beschleunigt. Die Möglichkeiten der Lebenszufriedenheit sind dort echt unerreichbar, gegeben der vorherrschenden Lebensform.

Ich wurde jedoch eines besseren belehrt. Auf die Gefahr der Überheblichkeit bezichtigt zu werden, gestern durfte ich erleben, wie grenzenlos angewandte Kunst den Respekt von der klassischen Idee der Kontemplation, das Verstehen der Welt beeinflussen kann.

Dazu muss ich erwähnen, dass wir vom Goennerverein als erste offiziell die Erlaubnis haben den Unterricht Vorort wieder aufzunehmen. Vielleicht spielt dies ein bisschen mit rein, da fremde Gesichter während den vergangenen zwei Jahren gebannt waren.

Dennoch, es stellt sich heraus, dass unsere Gesichter nur indirekt von Bedeutung sind. Was zählt – wir bringen die praktische Vernunft mit. Der Gefängnisalltag ermöglicht nur die spekulative Vernunft, die Suche nach göttlichen Neuheiten. Musik und die Möglichkeit Gedanken unlimitiert auf Papier bringen zu können sind ein wesentliches Element der Rehabilitierung. Ich habe dies hundertfach und meistens mit Hühnerhaut auf meinen Unterarmen erlebt.

In diesem Sinne, darf man die Vorgehensweise des Goennervereins schon einer fachlichen Expertise gleichsetzen. Sie entspricht per se nicht immer dem Lehrbuch, ist vielleicht gerade deswegen erfolgreich. Wir benutzen das Vehikel Kunst, um dieses Gefühl des klugen Denkens und Handelns zu formalisieren. Die alten Griechen hatten dazu eine Göttin, die Sophia auch die weise Hand genannt. Wiederseh’n macht Freude.

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